Fippe erklärte sich bereit für uns ein exklusives Interview zu geben. Wir reden dabei nicht nur über den Schritt, sein Hobby zum Beruf zu machen, sondern auch über Fippes Anfänge als Caster und die Zukunft der deutschen CS:GO-Szene.

Du bist bereits seit einiger Zeit als Kommentator zu sehen und zu hören. Wie bist du zum Casten gekommen und was war ursprünglich deine Motivation dahinter?

Fippe: Mein aller erster Cast ist tatsächlich schon fast 3 Jahre her, wirklich aktiv casten tue ich aber erst seit 1,5 Jahren. Der allererste Cast auf meinem eigenen Kanal wurde durch einen Stand auf der ESL One Cologne 2018 inspiriert, wo die ESL einen “Sei der nächste CS:GO Caster Contest” veranstaltet hat. Das ganze sah so aus, dass man sich alleine, oder mit einem Kollegen vor ein einfaches Caster Set setzen konnte und da dann ein Spiel der Gruppenphase kommentiert hat. Leider hab ich es damals nicht in die nächste Runde geschafft, wobei es sicher nicht geholfen hat, dass ich mit ein paar Freunden in diesem Jahr Premium Karten hatte, mit denen es einen unbegrenzte Getränkeflat gab, während das ganze auch noch auf Englisch kommentiert werden sollte. Trotzdem hat mir dieser Spaß Cast auf der Cologne so viel Bock gemacht, dass ich zu Hause selber mal den Stream angeworfen und für knapp einen Monat selber gecasted habe, leider hat mir da die Freizeit aber gefehlt, um das ganze wirklich durchzuziehen. Nachdem vor 1,5 Jahren die Corona Krise begonnen hat und ich auf einem einen Haufen Zeit hatte, hab ich mich dazu entschieden das ganze mal wieder anzugehen und ziehe es seitdem mit viel Spaß und Freude seit 1,5 Jahren durch.



Du wurdest kürzlich als neuer Vollzeit-Caster bei 99Damage vorgestellt und machst damit dein Hobby zum Beruf. Was wird sich dadurch für dich verändert?

Fippe: Zunächst bin ich super happy das Casten von einem Hobby zum Beruf zu machen. Die letzten 1,5 Jahre musste ich immer einen Spagat zwischen Uni, Werkstudentenjob und teilweise trotzdem noch 5 Casts in der Woche meistern, weshalb das Leben neben den 3 Aktivitäten nach Lockerung der Corona Regeln teilweise sehr schwer zu managen war. Mit der Vollzeitanstellung bei 99Damage kann ich den Werkstudentenjob wegstreichen und mich in meiner Freizeit mehr auf mein Studium und das soziale Umfeld konzentrieren. Außerdem gibt die Festanstellung einem die Möglichkeit viel mehr Zeit in die Vorbereitung eines Streams zu stecken. Teilweise war es früher so, dass ich um 18 Uhr von der Arbeit gekommen bin und um 18:30 Uhr das Spiel losgegangen ist, was im Umkehrschluss dann heißt, dass man bei den Gegner teilweise nur an der Oberfläche kratzen kann. In der einen Woche, die wir für die 99Liga nutzen konnten hatte ich dann durch die neue Zeit sogar die Möglichkeit mehrere Spielerdemos zu gucken und die Infos daraus mit in den Cast/die Analyse mit einfließen zu lassen.



Was macht einen guten Caster für dich aus? Und welche Tipps könntest du Nachwuchs-Castern mit auf den Weg geben?

Fippe: Das ist für mich tatsächlich immer eine sehr schwer zu  beantwortende Frage gewesen. Am Ende des Tages gibt es nicht das Caster Erfolgsmodell, was man am Beispiel 99Damage eigentlich auch sehr gut sehen kann. Die Caster kommen aus verschiedensten CS:GO Hintergründen und sind in ihrem Casten teilweise komplett unterschiedlich. Manche können mit ihrer puren Art oder Stimme überzeugen, während viele andere bei uns im Projekt versuchen ihre Casts so informativ wie möglich zu gestalten, sei es durch die Analyse des Spiels, oder durch Fakten über die Teams und Spieler. Ich persönlich hab bei vielen die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist seine eigene Schiene zu finden und keinen der bekannteren Kommentatoren nachzumachen. Mehrfach hab ich von verschiedenen, heute sogar sehr erfolgreichen deutschen Castern gehört, dass Sie am Anfang versucht haben V3nom nachzumachen, dann aber selber gemerkt haben, dass das bei den Leuten nicht so gut ankam, weshalb Sie ihr eigenes Ding durchgezogen haben, mit dem manche bis heute gut fahren.



Wie arbeitest du selber an deinem Casting? Hast du Vorbilder aus dem E-Sport oder vielleicht sogar aus dem “traditionellen Sport” von denen du dir gerne etwas abschaust?

Fippe: Gerade am Anfang der eigenen Casts kommt der Großteil der Verbesserungen durch pure Erfahrung. An irgendeinem Punkt hast du die meisten 08/15 CS:GO Competitive Szenarien bereits gesehen und weißt ein bisschen besser was in der Runde auf dich zukommen könnte. Ab diesem Punkt ist es für mich super wichtig eine Routine zu verhindern, wobei das je nach Aktion gar nicht so einfach ist. Wenn ich selber merke, dass irgendwas nicht rund läuft, ich vielleicht konstruktives Feedback bekommen habe, oder selbst mit dem Cast unzufrieden war, gucke ich mir möglichst oft die entsprechenden Szenen nochmal an, oder sogar den ganzen Cast, weil man am besten ein Gefühl für sowas bekommt, wenn man es sich selbst anhört. Wie bereits erwähnt bin ich bei Vorbildern immer ein bisschen vorsichtig, aber wenn ich jemanden nennen müsst, der mich am ehesten inspiriert hat würde ich meinen jetzigen Kollegen headshinsky nennen müssen. Als leitendes Mitglied des 99Damage Junior Programms hat er durch sein Feedback bereits viel Einfluss auf die nachkommenden 99Damage Caster, aber besonders bei den 99Liga Casts aus Saison 16 und 17 hatte ich immer das Gefühl was mitnehmen zu können, was ich bis heute in meinen Casts verwende.



Eine schnelle Entweder-oder-Frage: Duo- oder Solo-Cast? Wie stehst du dazu?

Fippe: Duo-Cast.

Fippe: Leider war es gerade noch am Anfang meiner Caster Zeit üblich den Cast alleine zu gestalten. Bei 99Damage wird mittlerweile versucht so gut wie jeden Cast mit einem Caster Gespann zu besetzen und auch bei vielen Freelancer Castern hab ich das Gefühl, dass immer mehr anfangen Duo-Casts zu machen. Ich selber hab seit dem “Epic Cup” der Epic-Dudes, in welchem ich das aller erste Mal mit K4iG gecasted habe versucht so gut wie jeden meiner Casts mit 2 Personen zu bestücken. Nicht nur für den Zuschauer ist es viel angenehmer über eine so lange Zeit zwei unterschiedliche Stimmen zu hören, sondern auch für mich als Caster hat das Casten seitdem noch viel mehr Spaß gemacht und ich hab durch einen Caster Partner in den Redepausen auch viel besser die Möglichkeit meine Folgesätze zu überdenken und einzelne Elemente des Spiels besser zu verstehen. Ich hoffe, dass nicht nur bei 99Damage ein Wandel in Richtung mehr Duo-Casts passiert, sondern auch in der Freelancer Szene, wobei wir mit Albi und P4tt auch ein super Beispiel dafür haben, wie gut gemeinsame Casts (auch langfristig) funktionieren können.


“Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht selber schon Spiele gecasted habe, bei denen ich als Zuschauer wahrscheinlich abgeschaltet hätte”

Fippe

Gibt es Teams oder Spieler, deren Spiele du als Caster besonders gerne kommentierst, weil sie z.B. einen aufregenden Spielstil haben oder weil du sie persönlich gerne spielen siehst?

Fippe: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht selber schon Spiele gecasted habe, bei denen ich als Zuschauer wahrscheinlich abgeschaltet hätte. Für mich persönlich kann ein CS Game fast gar nicht zu viel Pace haben. Besonders viel Spaß haben mir die No Limit Gaming/Penta Sports Spiele über die letzten Jahre gemacht. Dadurch, dass der Core mittlerweile schon so lange zusammen spielt und der Fakt, dass die Spieler individuell auch zu den besten in der nationalen Szene gehören, macht ihre Spiele teilweise unglaublich Spektakulär und man merkt direkt, dass der Core schon mehr als ein Jahr zusammen spielt.



Du bist vor allem durch deine Casts für Teams aus der deutschen Szene bekannt. Sei es in der 99Liga oder der ESEA. Was gefällt dir besonders an der DACH CS:GO-Szene?

Fippe: Zum einen kommt das wahrscheinlich durch meine Zeit bei TDS und den Epic-Dudes, bei denen ich guten Rückhalt von der Orga bekommen habe und für mich selber merkte wie schön es ist close an den Leuten zu sein, die man auch castet.  Zwar kenne ich nicht jeden den ich caste persönlich, aber über Freunde und Bekannte passiert es doch relativ häufig, dass man mit verschiedensten Spielern von Division 1 bis hin zur Kali immer mal wieder auf einem Teamspeak landet, oder vielleicht sogar mal ein paar Games mit den Leuten spielt, die man vielleicht noch vor 1-2 Wochen erst gecastet hat. Außerdem ist auch die Interaktion auf Twitter und Co mit den Leuten auf und hinter dem Server viel ausgeprägter, vor allem wenn man das mit den großen internationalen Spielern vergleicht, welche man häufig nur auf dem Server sieht, oder in Content, welcher über sie oder mit ihnen gedreht wurde.



Der E-Sports wächst und damit auch die Qualität der Übertragungen. Wie stellst du dir CS:GO-Übertragungen in fünf Jahren vor? Was sollte sich bis dahin verbessern, was haben andere Sportarten oder E-Sportstitel in ihren Übertragungen, was CS:GO noch fehlt?

Fippe: Counter-Strike in 5 Jahren wird in DECS wahrscheinlich nicht ansatzweise mehr mit dem vergleichbar sein, was wir aktuell haben. Heute vor 5 Jahren waren gerade erst die Finals der 4. 99Liga Saison, welche nur 35% des heutigen Preisgeldes gefeatured hat. Innerhalb dieser 5 Jahre gab es mehrere ESL Meisterschaft Offline Finals, die 99Liga hat ein Offline Finale gehabt und Projekte wie die Merkur Masters und die United Pro Series sind aufgetaucht. Ich glaube, dass wir in 5 Jahren einen deutschen CS:GO E-Sport haben werden, der ähnlich wie der internationale Bereich viel mehr Offline Matches in Studios featuren wird. Welche und wie viele Veranstalter es in 5 Jahren noch geben wird ist schwierig vorher zu sagen, ich persönlich würde mich aber über eine große Profi Liga mit entsprechendem Amateur Bereich freuen, wie es in den meisten “normalen” Sportarten auch der Fall ist, mit einer längeren OffSeason, in welcher die Teams die Möglichkeit haben an verschiedenen größeren oder kleineren Turnieren teilzunehmen. Bei der reinen Übertragung können wir uns glaube ich ein Vorbild an League of Legends und der Prime League nehmen. Durch die größere Fanbase, den Fokus auf eine nationale Liga  und die bessere Vermarktbarkeit des Spiels, hat man hier die Möglichkeit jeden Spieltag in einem professionellen Studio zu veranstalten und den nationalen und internationalen Bereich feste Kommentatoren. Erste Schritte und Beispiele hin zu so einem Modell gibt es auch schon in CS:GO und ich glaube, dass wir diesen Standard auch in 5 weiteren Jahren DECS erreichen können. 



Vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören selbstverständlich dir.

Fippe: Eine Frage, bei der ich froh bin normalerweise immer auf der anderen Seite zu stehen, wenn die Spieler die letzten Worte an den Stream richten dürfen. Aber ich glaube ich nutze diesen letzten Worte für Apell an alle Leute, die darüber nachgedacht haben mal selber CS:GO zu casten. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es unglaublichen Spaß macht und dass es ein unglaublich tolles Gefühl ist für seine Arbeit dann auch positives Feedback zu bekommen. Persönlich hätte ich nicht gedacht, dass ich nach 1,5 Jahren ein Interview über das Casten geben würde, geschweige denn dafür Vollzeit bezahlt werde, aber das Casten, die Leute mit denen ich in den letzten Monaten zusammengearbeitet habe und 99Damage haben aus einem einfachen Hobby eine unfassbare Zeit und jetzt sogar einen Beruf gemacht, dafür möchte ich mich bei allen von Herzen bedanken.


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Marvin Meeßen -

Marvin Meeßen

Marvin ist bereits seit seiner Kindheit dem Hobby Gaming verfallen und hat in seiner Esports-Laufbahn bereits eine Vielzahl an Events und Messen als Redakteur besucht. Meistens verbringt er seine Zeit in CS:GO, Hearthstone oder Heroes of the Storm.